Nothnegal
Death/Black von den Malediven. Dass es auf den Inseln, die man im Allgemeinen nur als Urlaubsziel derer kennt, die sich den Flug dorthin leisten können, eine Metalszene gibt, war mir bis zu diesem Abend neu. Dass diese Szene allzu groß ist, bezweifele ich allerdings auch weiterhin, denn immerhin musste sich das Trio mit einschlägig bekannten europäischen Musikern am Schlagzeug und Keyboard verstärken, um diese Tour bestreiten zu können. Die Band bot das volle Brett an hartem Death- und Black-Metal, aufgelockert durch zweistimmige Duelle zwischen Gitarre und Keyboard, die die ein oder andere Reminiszenz an alte Helden der Achtziger hervorriefen. Für eine Band, die gerade mal eine EP vorzeigen kann, ein sehr überzeugender Einstieg vor bereits gut gefüllter Halle.
Metsatöll
Metsatöll haben ein und für sich als Folkmetal-Band aus Estland zwar zwei Attribute, die man fast schon als hinreichend bezeichnen kann, um bei mir zu punkten, auf Scheibe konnten sie mich bislang jedoch nie so wirklich begeistern. Irgendwie leidet die Musik kompositorisch ein wenig unter Belanglosigkeit, ohne jedoch vollkommen auf Höhepunkte zu verzichten. Von bis zu dreistimmigen folkloristischen Männerchören über Flöte und Dudelsack bis zur Rhythmusfraktion in der üblichen Metalbesetzung, spielte man mit ordentlicher Spielfreude ...
Rotting Christ
Auch für griechischen Metal hatte ich schon immer einen Faible: Nightfall, Swan Christy, Septic Flesh – durchweg grandios! Rotting Christ sind eine weitere Band in dieser Riege und unterscheiden sich von den anderen eigentlich nur in dem Punkt, dass sie die Zeiten überlebt haben und heute stärker denn je zuvor sind. Mit dem herrlichen „Triarchy of Lost Lovers“ und dann wieder spätestens seit „Khronos“ zelebrieren sie erstklassigen Metal mit Death-Einschlag, den sie mit dieser typisch griechischen-mystischen Atmosphäre in leicht folkloristischer Nuance auflockern, dem ich mich stundenlang hingeben könnte. Dabei strotzt vor allen Dingen Bandkopf Sakis vor einer Begeisterung, die Konzerte seiner Band immer wieder zu einem Erlebnis macht. Seine eher als rhythmisches Element eingesetzte Gesangspassagen ließen das mittlerweile entstandene Gedränge vor der Bühne jedenfalls nicht kalt, die durchweg zielsicher eingesetzten Riffs des Gitarristen Giorgos wirken nach wie vor auf der Bühne fast noch eindringlicher als auf Scheibe. Lediglich einen Punkt könnte man bei Rotting Christ als potentiellen Kritikpunkt anführen: Sehr viel kommt vom Band. Würde es die Band nicht in nochmal andere Sphären heben, wenn man stattdessen mit Streichern auf die Bühne käme?
Aber sei's drum: ein sehr, sehr schöner Gig.
Samael
Auf Samael war ich gespannt. „Ceremony of Opposites“ und „Passage“ sind unvergessen, „Blood Ritual“ wunderbar, Später habe ich die Schweizer leider ein wenig aus den Augen verloren. Umso erstaunter war ich, dass nun der Auftritt nicht unbedingt darauf schließen ließ, dass seit „Passage“ knapp anderthalb Jahrzehnte vergangen sind. Mit recht vielen Songs von diesem Album und auch ansonsten stilistisch noch recht nah an jener Phase, hätte es genau so gut lediglich ein Album sein können, dass ich nach „Passage“ verpasst habe. Kurz, ich fand die Band in dem Stadium vor, in dem ich sie vor knapp 15 Jahren verlassen hatte, was mir allerdings durchaus entgegen kam, da ich sie damals leider nie habe live sehen können. Optisch wusste man sich vom üblichen Metal-Standard zu unterscheiden, sowohl durch die stilvolle rote Kleidung des Sängers Vorph als auch durch die Videoprojektionen, die das übliche Banner mit Logo ersetzend die einzelnen Stücke untermalten. Hinzu kam ein sichtlich glücklicher Masmiseim am Bass, der den ganzen Gig über mit einem Grinsen von einem Ohr bis zum anderen über die Bühne sprang, was zwar in krassem Gegensatz zur Härte und Kompromisslosigkeit der Musik stand, aber die Fähigkeit der Band unterstrich, auf Klischees der Szene verzichten zu können. Den Umstieg vom Schlagzeug zum Drumcomputer will schließlich niemand wirklich als Negativpunkt anführen, die sterile Härte, die daraus entsteht, sucht nach wie vor in ihrer Intensität ihresgleichen in der gesamten Musikszene.
Finntroll
Tja, und da spielten da noch Finntroll als Headliner. Getreu dem Motto, man solle aufhören, wenn es am schönsten ist, trat ich jedoch den Heimweg an.