Gigsperts, Gigsperts, immer wieder Gigsperts, diese schreckliche Seite, die einem das spärlich verdiente Geld und die rare Freizeit stiehlt. Schon als ich das Konzert auf der Seite entdeckte, wusste ich es: DAS wird genau mein Konzertabend. Kissin’ Dynamite, eine sehr junge Band voller Energie, die in die musikalischen Fußstapfen der ganzen 80er treten will. Orden Ogan, deren Alben man rauf und runter hören kann, ohne auch nur annähernd gelangweilt zu sein und die live einfach nur rocken. Freedom Call, der Evergreen unter den epischen Power Metallern mit Mitsinggarantie. Dazu dann noch die Möglichkeit auf der Gästeliste zu stehen. Da wurde keine Sekunde, an Nachdenken verschwendet. Und schon waren wir in der Zeche, eine nette kleine Örtlichkeit, die für mich als Besonderheit mit eine Tribüne aufwarten konnte. Der Sound war klasse, die Theke ganz in der Nähe und zu jeder Zeit hatte man ausreichend Platz. Fragt sich nur, welcher Honk ständig Offbeat mitklatschen musste.
Nach dem ersten Soundcheck krachten auch schon Orden Ogan mit ihrem brachialen “To New Shores of Sadness” los. Und brachial ging es auch weiter mit einer sehr gut abgestimmten Setlist bestehend aus älteren Stücken und der neuen Scheibe “Eastern Hope”. Kein Refrain, der nicht mitriss, kaum Leerlauf oder Zeit zum Verschnaufen. Ihre Grüße an die Fans wurden mit dem obligatorischen “Fuck you Pussy” honoriert. Leider mussten die Jungs ohne ihren Keyboarder auftreten, weswegen alles, was er sonst übernommen hätte, eingespielt werden musste. Ebenso wurde bei einigen Chören auf (Teil-)Playbacks zurückgegriffen. Als einzigen richtigen Kritikpunkt kann man hier nur aufführen, dass sie nur 45 Minuten spielen durften. Und am Schluss fühlten sich alle wie echte Piraten.
Wahrscheinlich versteht es kaum jemand so gut, Leute mitzureißen wie Kissin’ Dynamite. Die fünf Jungens kamen auf die Bühne und der erste Gedanke war in etwa: “Huch, was ist das denn?” Die Gedanken kreisten um Bill Kaulitz, Nena und Bon Jovi, wenn man den Sänger der Band betrachtete. Sobald er aber den Mund öffnete und begann zu intonieren und die Band dazu ihre Instrumente anstimmte, war man im Glam-Rock der 80er angekommen. Die Stimme bot alles zwischen hohem Gekreische und klarem Gesang, die Instrumentalisierung bewegte sich stilecht im Übergang vom Hard-Rock zum Metal. Eine sowas von derb präsente Bühnenshow. Es gab Luft-Stabkampf mit Mikrofonständern, nackte Oberkörper, Schaukloppe zwischen Gitarristen und außer dem Drummer nur Leute, die den Platz auf der Bühne auszunutzen wussten. Kurz: Stimmung! Und da war kein Platz mehr für Gedanken, man musste einfach abgehen.
Ohne große Pause ging es auch schon in die nächste Runde. Freedom Call, der Headliner des heutigen Abends war an der Reihe, die von den beiden großartigen Vorbands aufgeheizte Masse, zu begeistern. Und das gelang ihnen auch mühelos, denn jeder der bombastischen Refrains zwang einen förmlich zum mitsingen. Denn der markante Sänger, der nicht nur in die Seiten schlug, sondern auch zu entertainen wusste, hatte das Publikum im Griff. Zu hören waren neben der Band auch Playback-Keyboards. Besonders in Songs, in denen selbige die Hookline trugen, ist der fehlende Instrumentalist ein wenig schade. Nichtsdestotrotz geht es typisch für Power-Metal ab, wenn langgezogene Noten im Gesang von rasend schneller Musik untermalt werden. Wobei die Balladen einen schönen Kontrast zu den restlichen, doch eher schnellen, Stücken des gesamten Abends darstellten, zumal bei diesen das Keyboard live zu hören war. Und eins ist nach diesem Auftritt völlig klar: Die Band kennt nach den Anfeuerungen der Audienz spätestens jetzt ihren Namen.
Dete & Malte